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  • Young Lohse posted an update 7 years, 7 months ago

    Nachtschicht. Lives On The Line in Deft Danish Chamber Thriller ? Variety , hier mal eine laute Party auf Gehei� der Nachbarn beruhigen, da mal bei der Schl�gerei von ein paar Betrunkenen dazwischengehen. All das w�rde sich Polizist Asger (Jakob Cedergren) wahrscheinlich w�nschen. Stattdessen sitzt er in einem B�ro der Kopenhagener Notrufzentrale und telefoniert die ganze Zeit. Ein Anrufer hat zu viel Speed genommen, einem anderen wurde Geld gestohlen, eine Frau hat sich beim Fahrradfahren am Knie wehgetan. Mit solchen Banalit�ten muss sich Asger herumplagen, seit er strafversetzt wurde. Doch als er erneut ans Telefon geht, h�rt er die panische Stimme einer Frau, die offenbar so tut, als telefoniere sie mit ihrem Kind. Im Hintergrund sind ein Motorenger�usch und eine m�nnliche Stimme zu vernehmen. ?Wei� der Mann, dass Sie die Notrufzentrale angerufen haben??, fragt Asger. ?Nein?, lautet die Antwort. ?Kennen Sie den Mann?? ? ?Ja.? ? ?Hat er Sie entf�hrt?? ? ?Ja.?

    Den Rest des Abends wird Asger damit verbringen, die Identit�t des Kidnappers, den Grund f�r seine Tat und vor allem den Standort sowie das Ziel des Kleinlasters zu ermitteln, in dem die Frau transportiert wird. Er wird mit ihr in Kontakt bleiben, ihre Kinder anrufen, ebenso den Entf�hrer und diverse Kollegen von der Polizei. Von der Entf�hrung selbst bekommen wir dabei nichts zu sehen, denn Gustav M�llers Regiedeb�t ist ein Kammerspiel, bei dem die Kamera ausschlie�lich auf den telefonierenden Asger und sein B�roumfeld blickt. Dieses gewagte, scheinbar ?unfilmische? Konzept geht anscheinend auf, immerhin hat The Guilty (Den skyldige) trotz starker Konkurrenz bei den renommierten Festivals in Sundance und Rotterdam Publikumspreise abger�umt.

    Der Coup von The Guilty besteht aber darin, die Handlung von der Leinwand in den Kopf des Zuschauers zu verlagern. M�llers Landsmann Lars von Trier hat das vor 15 Jahren auf ganz andere Weise umgesetzt, indem er sein Meisterwerk Dogville (2003) auf einer kargen B�hne mit Kreidestrichen inszenierte. M�llers inhaltlich weniger anspruchsvolles, aber stilistisch �hnlich riskantes Experiment l�sst sich damit auch als eine sp�te Antwort auf die recht weit verbreitete Intellektuellen-Skepsis verstehen, die der Kunstform Film gerade in ihrer Anfangszeit entgegenschlug ? und die bis heute dazu f�hrt, dass Film von vielen eher als Popul�rkultur wahrgenommen wird, w�hrend etwa Literatur und klassische Musik ein h�heres Ansehen genie�en und fraglos als Kunst gelten. Einer der Hauptvorw�rfe war dabei stets, dass Film ? gerade im Vergleich zur Literatur ? die Fantasie des Rezipienten angeblich nicht beanspruche, sondern stattdessen Passivit�t f�rdere. In The Guilty kann der Zuschauer ? man k�nnte auch vom ?Zuh�rer? sprechen ? nun gar nicht anders, als seine Kreativit�t zu aktivieren, denn M�ller zeigt ihm ja nichts vom eigentlichen Geschehen. Das f�hrt letztlich dazu, dass der T�ter, das Opfer und ihre Umgebung f�r jeden Kinobesucher anders aussehen.